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Willkommen

Das Ziel der Warré-Imkerei ist es, auf eine Weise Bienen zu halten, die sowohl den Bienen als auch dem Imker das Leben so weit wie möglich erleichtert. Im Folgenden werde ich versuchen, Euch meine Erfahrungen mit der Bienenhaltung nach Warré nahe zu bringen. Für ein besseres Verständnis empfiehlt es sich, das Originalbuch zur Warréimkerei gelesen zu haben. Ich handhabe mittlerweile einiges anders, als es Warré emfiehlt, bedingt durch die Besonderheiten und Bedingungen der heutigen Zeit, aber auch, weil neuere Erkenntnisse es uns ermöglichen, noch effizienter sowie bienen- und imkerfreundlicher zu imkern. Man sollte aber zumindest wissen, was der Kerngedanke in der Warrébetriebsweise ist, und dafür ist »Bienenhaltung für alle« eine unverzichtbare Grundlage.

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Warré-Briefkasten

Liebe Warréaner und alle, die es werden wollen!

Mich erreichen oft E-Mails mit Fragen zu Warré, die ich auch gern beantworte, wenn es meine Zeit erlaubt. Leider hat auf diesem Weg nur der Fragende etwas von der Antwort. Deshalb hier mein Angebot, Fragen direkt hier als Kommentar zu diesem Beitrag zu hinterlassen. Ich werde  diese dann in einem eigenen Beitrag öffentlich und für alle (hoffentlich) zum Nutzen beantworten.

Auch mal an die Anderen denken

… und zwar an die anderen Bienen – die Wildbienen.

Da mir neben der Warréimkerei so viel Zeit bleibt 😉 engagiere ich mich noch nebenbei ehrenamtlich im Wildbienenschutz.

Aus einem meiner Vorträge ist nun eine kleine Broschüre entstanden, bei der verschiedene Gartenpflanzen vorgestellt werden, mit denen man gezielt häufige und gut erkennbare Wildbienen in den eigenen Garten locken kann. Im Heft werden 20 solcher “dynamischen Duos” in Wort und Bild vorgestellt.

Die Broschüre heißt “Der Wildbienen-Schaugarten – Schöne Pflanzen als Bienenmagnete im Naturgarten” und kostet derzeit 7,90 € (aufgrund der kleinen ersten Auflage ging es leider nicht billiger). Bei Interesse könnt Ihr sie über den Buchhandel oder meine Website beziehen.

Die Biene auf der Beispielseite ist übrigens die “Biene des Jahres 2019”, die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) – Fleißiger Bestäuber von Obstbäumen, wenn es sich unsere Honigbienen noch im Warmen gemütlich machen.

Kurstag zur Warré-Bienenhaltung

Liebe Neuimker,

ich erhalte hin und wieder Anfragen nach Warré-Kursen, die zu planen ich leider nie die Zeit finde. Allerjährlich zweimal halte ich aber einen Vortrag über die Warréimkerei im Rahmen des Neuimkerkurses der Sächsischen Imkerschule – einmal in Dresden (am 27.04.2019) und einmal in Ebersbach-Neugersdorf (am 12.05.2019). Interessierte sind zu diesen Terminen herzlich mit eingeladen. Bitte meldet Euch dazu direkt bei der Sächsischen Imkerschule an.

Frage zum Kauf von Rähmchen-Völkern für Warré

Frage: Mit großem Interesse haben wir zum Imkerkurs deinem Vortrag gelauscht und uns nun entschieden, es auch mit der Warré-Beute zu probieren, da für uns ebenfalls die wesensgemäße Bienenhaltung im Vordergrund steht.

Uns erschließt es sich leider nicht, worin das Problem besteht, ein Volk von einem Rähmchenmaß (z. B. Dadant, Zander…) in die Warré-Beute einzuschlagen. Kannst du uns da weiterhelfen? Uns wird als Neuimker immer wieder  gesagt, dass es nicht möglich ist, ein Volk aus einer Rähmchenbeute in eine Warré-Beute einzulogieren. Aber keiner konnte uns so richtig sagen warum. Ein Naturschwarm oder Kunstschwarm kommt im Moment für uns leider nicht in Frage – da wir Förderung beantragt haben, muss es ein Volk sein. Aus genanntem Grund ist es aber fast unmöglich, Völker für unsere Warré-Beuten zu erwerben.

Antwort: Ich kann hier nur vermuten, dass die Imker sich scheuen, Bienenvölker für Warré zu verkaufen, weil sie nicht wissen, wo sie dann mit der Brut hin sollen. Normalerweise werden die Brutwaben bei einem Kauf einfach in den Kasten des Käufers umgehängt. Prinzipiell geht das bei Warré auch, wenn man sich die Mühe macht, die Rähmchen mit den Brutwaben auf Warrémaß zurechtzuschneiden (es bleiben von den Rähmchen dann nur die Oberträger in der richtigen Länge übrig). Das Abkehren an sich ist also vermutlich nicht das Problem, sondern die Brut.

Zwei Vorgehensweisen haben sich bewährt:
1. Die Brutwaben werden, wie oben erwähnt, zurechtgeschnitten und wie üblich mit umgehängt. Das ist zwar ein ziemliches Gematsche, funktioniert aber recht gut. Etwas knifflig ist das Zurechtschneiden im Bereich der Drahtung.

2. Man borgt sich vom Verkäufer dessen Zargen aus, lässt die Brutwaben drin, bis sie ausgelaufen sind, und gibt sie ihm dann zurück. Diese Vorgehensweise lohnt sich dann, wenn man mehrere Völker kauft, so dass man deren Brut zu einer “Brutscheune” zusammenfassen kann. Die nach spätestens 3 Wochen restlich ausgelaufenen Bienen kehrt man dann entweder vor den Warrébeuten ab, so dass sie sich in die Völker einbetteln; oder, falls sie sich eine Königin nachgezogen haben, kehrt man alle Bienen + Königin aus der Brutscheune in eine neue, leere Warrébeute, die am selben Standplatz stehen bleibt, und hat so sogar noch ein zusätzliches Volk gewonnen.

Wachsernte ohne Gematsche

Aufgrund der regelmäßigen Wabenerneuerung spätestens aller zwei Jahre, fällt bei der Warré-Imkerei immer recht viel Rohwachs an. Um dieses einzuschmelzen, habe ich über die Jahre so ziemlich jede Methode ausprobiert, ausgenommen einen professionellen Dampfwachsschmelzer, weil mir für diesen der Platz fehlte. Und sei es meiner Ungeschicklichkeit geschuldet oder diversen unhandlichen Töpfen – bei jeder der im Internet oder diversen Büchern beschriebenen Methoden, gab es unheimlich viel Gematsche von Honig, Wachsbröckchen und festgewordenen Wachsspritzern, die sich nach kürzester Zeit unweigerlich in der Küche verteilten und unter den Schuhsohlen sammelten.

Wirklich Spaß macht die Wachsernte daher erst, seit ich zum Wabenschmelzen einen Dampfentsafter verwende. Mit diesem geht die Arbeit ruckzuck und ohne jedes Gespritze vonstatten. Wenn man beim Kauf ein Modell mit besonders großem Beerenkorb wählt, lassen sich damit Waben von mindestens 3 Zargen einschmelzen, ohne den Korb einmal leeren zu müssen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie stark das Wachs während des Einschmelzens zusammenfällt.

Die heiße  Wachs-Wasser-Mischung lasse ich in einen 10 Liter-Topf laufen, der während des Schmelzens in der warmen Backröhre wartet. So bleibt das Gemisch bis zum Ende flüssig. Anschließend lasse ich den Topf in der ausgeschalteten Backröhre über Nacht langsam abkühlen. Durch die gute Isolierung geschieht das sehr langsam, so dass sich Schwebstoffe und Verunreinigungen zum Großteil unten am Wachsblock absetzen. Diese werden später vom Block abgekratzt.

Auf diese Weise gewonnenes Wachs muss nur noch einmal geklärt werden, bevor es zu Kerzen oder neuen Anfangsstreifen weiterverarbeitet werden kann. Zum Klären den Block einfach noch einmal sachte in Wasser schmelzen und das Ganze wiederum über Nacht abkühlen lassen. Am nächsten Morgen werden die restlichen Verunreinigungen vom Block abgeschabt und er kann weiterverwendet oder eingelagert werden.

Ein Hoch der Faulheit!

Gestern schickte mit ein befreundeter Imker diesen interessanten Link zu einer Untersuchung, in der festgestellt wurde, dass die Varroa-Milbe sich nicht, wie bisher angenommen, von der Hämolymphe der Bienen ernährt, sondern von deren Fettkörper, und dass ein Varroaweibchen umso mehr Nachkommen produziert, je wohlgenährter die Biene ist, an der sie parasitiert.

Dass varroatolerantere Bienenvölker weniger Honig produzieren, ist spätestens seit dem Gotland-Projekt bekannt, und auch ich konnte dies schon beobachten. Ich hatte bisher angenommen, der Grund läge darin, dass Völker, die sich aktiv gegen die Varroamilbe  zur Wehr setzen, dadurch weniger Energie zum Sammeln haben, so wie man sich mit Grippe auch eher ins Bett legt, als zur Arbeit zu gehen.

Die Korrelation scheint angesichts dieser neuen Studie aber genau andersherum zu sein, als gedacht. Vielleicht sind die überlebenden Völker die fauleren, die lieber mehr fasten als zu arbeiten? Interessanterweise sind es nämlich nach meinen Beobachtung tatsächlich eher diejenigen Völker, die Unmengen an Honig eintragen, die schlecht mit der Varroa klarkommen. Bisher hatte ich angenommen, dass sie quasi zu viel arbeiten, (Burnout bekommen ;-)) und deshalb stärker unter einer eventuellen Virenbelastung leiden. Aber dass dies nun möglicherweise sogar direkt an einem Zuviel an Futter liegen könnte, wirft, meiner Ansicht nach, ein ganz neues Licht auf die Hochleistungszucht.

Wintereinfütterung

Es ist für diesen Beitrag schon etwas spät im Jahr, da das Auffüttern bis Mitte, allerspätestens Ende September abgeschlossen sein sollte. Da mich eine ensprechende Frage erreichte, hier aber trotzdem noch, wie ich vorgehe.

Ich füttere von oben, mithilfe eines umgedrehten 1,7-Liter Gurkenglases in dessen Schraubdeckel ich mit Hammer und Nagel viele kleine Löcher geschlagen habe. Das Glas hat gegenüber den Futtereimern, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren, den Vorteil, dass man durchs Fenster der Zarge den Füllstand sehen kann. Die klassische Warré-Futterzarge verwende ich nicht, da sie schnell schimmlig wird.

Auf die oberste Zarge lege ich eine 12 mm starke Siebruckplatte in den Außenmaßen der Zarge, die in der Mitte einen kreisrunden Ausschnitt hat, der etwas kleiner als der Deckel des Glases ist. Darüber stelle ich das umgedrehte Futterglas.  Die 12 mm-Stärke der Siebdruckplatte schafft den Bienen ausreichend Platz zum Rangieren. Über das Ganze kommt eine leere Fensterzarge, die wie gewohnt von Kissen und Dach abgedeckt wird. Der Blumenuntersetzer auf dem Foto dient zum Abdecken des Loches, während man das Glas neu auffüllt. Die Kreidemarkierung auf der Siebdruckplatte zeigt mir, wie oft ich bereits gefüttert habe.

Wenn das Glas bis zum Rand gefüllt ist, läuft das Futter nach dem Umdrehen aufgrund des Unterdruckes nicht aus. (Probiert das beim ersten Mal am besten mit reinem Wasser über dem Waschbecken aus.) Die Bienen zutscheln das Futter dann nach und nach durch die Löcher aus.

Um Räuberei zu vermeiden, werden neue Gläser immer erst abends aufgesetzt, nachdem die Sammlerinnen Feierabend gemacht haben. Die Fluglöcher werden durch ein kurzes Stück Holz etwas verkleinert. Das Flugloch sollte aber noch groß genug sein, damit die Bienen die beim Eindicken des Futters entstehende Feuchtigkeit aus dem Stock ventilieren können.

Honig (leicht verdünnt) gebe ich nur, wenn ich ein Volk beerntet habe, weil ich Honig immer nur dem selben Volk zurückgebe (Krankheitsprophylaxe). Ansonsten Zuckerwaser aus 1 Liter Wasser und 1 kg Bio-Rübenzucker. Früher habe ich dicker gefüttert, aber da kristallisierte der Zucker manchmal aus, weil er nicht ausreichend invertiert war.

In einem Jahr habe ich die Bienen mit gekauftem Bio-Sirup gefüttert, da sind die gefütterten alle gestorben. Deshalb gebe ich jetzt wieder nur noch reinen Zucker; da weiß man wenigstens was drin ist. Wichtig ist, den Zucker nur in kaltem Wasser anzurühren, weil heißes Wasser den Zucker für die Bienen giftig macht.

Füttert man ab Ende August, gehen die Bienen noch mal schön in Brut und gehen dann als großes Volk in den Winter. Das ist insbesondere bei unbehandelten Völkern wichtig, weshalb ich gern alle Völker etwas füttere, auch wenn sie eigentlich genug gesammelt haben. Beerntete Völker bekommen dazu das Honigwasser, mit dem ich die Honigreste aus dem bei der Tropfhonig-Gewinnung anfallenden Wabenbruch ausspüle.

Erweiterte Faulbrutprophylaxe in Warré

Die Warré-Betriebsweise macht es der Faulbrut generell nicht leicht, und Abbé Warré hat dem Thema in seinem Buch viel Raum eingeräumt. Das Minimieren der Eingriffe ins Volk, speziell im Brutnest; die Vermeidung des Wabentauschs zwischen Völkern; die reguläre Wabenerneuerung und die besondere Beachtung des Wärmeerhalts im Brutnest sollen laut Warré das Risiko für einen Faulbrutbefall vermindern. Da wir insbesondere hier in Dresden aber seit längerem massiv mit der Faulbrut zu kämpfen haben, hier noch ein paar weitere Maßnahmen, die ich selbst einhalte, um einen Faulbrutausbruch zu verhindern:

  1. Rückfütterung ausschließlich mit Honig vom selben Volk.Generell sollte es selbstverständlich sein, keinen fremden Honig zu verfüttern. Ich selbst gehe hier noch einen Schritt weiter und füttere Völkern ausschließlich den eigenen Honig zurück. Falls dieser nicht reicht, gehe ich zur Zuckerfütterung (mit Bio-Rübenzucker) über.
  2. Jedem Volk nur seine eigenen Zargen.Das bedeutet, dass ich im Herbst die weggenommenen Zargen (inklusive Wabenwerk) mittels Kreide mit der jeweiligen Nummer des Volkes kennzeichne, um dem Volk im nächsten Frühling dann seine eigenen Zargen zurückgeben zu können.
  3. Strikte Wabenerneuerung aller zwei Jahre. In diesem Punkt gehe ich noch über Warrés Vorgehen hinaus, der Waben wohl erst dann erneuerte, wenn sie nicht mehr gut aussahen. Durch die Gewinnung von Tropf- statt Schleuderhonig behalte ich automatisch keine leeren Honigwaben, die älter als zwei Jahre sind. Völker, die ich in Hungerjahren nicht beerntet habe, unterziehe ich im nächsten Frühjahr der „Heroischen Methode“.
  4. Regelmäßige Desinfektion leerer Zargen.Um leere Warrézargen zu desinfizieren, erhitze ich diese im Elektroherd auf über 150 °C. Ein großer Vorteil ist hier das kleine Zargenmaß. Andere Beutenmaße passen nicht in den Herd. Deshalb muss bei diesen auf das weit aufwendigere  Abkochen in Natronlauge zurückgegriffen werden. Faulbrutsporen überleben Temperaturen bis 120 °C; ein Abflammen allein hilft daher nicht.
  5. Jährliche Futterkranzprobe aller Völker im Frühjahr. 

Alles in allem ein kleiner Mehraufwand in der sonst so wenig arbeitsintensiven Warré-Imkerei, doch diese Maßnahmen haben mich bisher vor der regional von allen Seiten dräuenden Faulbrut bewahrt, weshalb ich sie nur jedem Warréaner ans Herz legen kann.

Frage zu Rähmchen im Honigraum

Frage: Was hälst du von Rähmchen im Honigraum?

Antwort: Bei Warré gibt es ja in dem Sinne keinen Honigraum, da bei der klassischen Warré-Betriebsweise nur unter- statt aufgesetzt wird. Man kann natürlich auch einen Honigraum aufsetzen, z. B. um Sortenhonige zu ernten, und hier würden Rähmchen eventuell Sinn machen; das ist dann aber keine Warré-Imkerei mehr. Wichtig wäre auf jeden Fall, die Zarge mit den Rähmchen spätestens im Spätsommer runterzunehmen.