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Willkommen

Das Ziel der Warré-Imkerei ist es, auf eine Weise Bienen zu halten, die sowohl den Bienen als auch dem Imker das Leben so weit wie möglich erleichtert. Im Folgenden werde ich versuchen, Euch meine Erfahrungen mit der Bienenhaltung nach Warré nahe zu bringen. Für ein besseres Verständnis empfiehlt es sich, das Originalbuch zur Warréimkerei gelesen zu haben. Ich handhabe mittlerweile einiges anders, als es Warré emfiehlt, bedingt durch die Besonderheiten und Bedingungen der heutigen Zeit, aber auch, weil neuere Erkenntnisse es uns ermöglichen, noch effizienter sowie bienen- und imkerfreundlicher zu imkern. Man sollte aber zumindest wissen, was der Kerngedanke in der Warrébetriebsweise ist, und dafür ist »Bienenhaltung für alle« eine unverzichtbare Grundlage.


Aufsetzen schwacher Völker über Absperrgitter

Die Methode, schwachen Völkern im Frühling unter die Arme (bzw. die Flügel) zu greifen, indem man sie über Absperrgitter auf starke Völker aufsetzt, hat sich bei mir in den letzten Jahren bewährt. Wichtig ist aber, dass das aufgesetzte Volk Brut hat. Wenn nicht, ziehen alle aufgesetzten Bienen nach unten um. Sie versuchen dabei, ihre Königin mitzunehmen und, da sie nicht durchs Absperrgitter passt, kann es passieren, dass sie sie mit Gewalt hindurchzerren – Notfalls in Einzelteilen.

Imker-Phänologie 02 – Unterstellen an Ostern

Abbé Warré schlug das Osterwochenende als Zeitpunkt des Unterstellens der neuen Zargen vor. Prinzipiell halte ich mich ebenfalls an diesen Termin, da er sich gut merken läßt. Da aber in diesem Jahr Ostern recht spät ist (Mitte April hatten wir 2015 schon die ersten Schwärme), werde ich die kommenden warmen Tage dazu nutzen, meine Warréstöcke zu erweitern.

Ich stelle immer gleich zwei Zargen unter. Als dritte von oben verwende ich eine ausgebaute Zarge mit leerem Wabenwerk vom letzten Jahr. Diese sollte aus Seuchenschutzgründen vom selben Volk stammen. Darunter kommt noch eine komplett leere Zarge, damit die Bienen sich mit Bauen beschäftigen können. Denn fleißige Häuslebauer zieht es weniger in die weite Welt …

Imker-Phänologie 01 – Weidenblüte

Die ersten Weiden blühen. Damit ist der Moment gekommen, die Mäusegitter zu entfernen, damit die Bienen nicht beim Frühjahrsputz gestört werden.

Bei schönem Wetter sieht man auch spätestens jetzt, welche Völker den Winter nicht überlebt haben. Bei diesen werden die Fluglöcher bienendicht verschlossen, damit sich keine Sammlerinnen anderer Völker an den zurückgebliebenen Vorräten bedienen und so möglicherweise mit Krankheiten anstecken. Solche Frühlingsräuberinnen werden von Jungimkern übrigens oft für Bienen des eigenen Volkes gehalten und so die Räuberei fälschlicherweise als Zeichen für ein gut ausgewintertes Volk interpretiert.

Die Biene lebt nicht vom Raps allein

Bevor man sich für die Warréimkerei oder eine andere naturnahe Form der Bienenhaltung entscheidet, bedarf es der genauen Einschätzung des eigenen Standorts. Das Zauberwort heißt „kontinuierliche Läppertracht“. Gegenden, in denen die industrielle Landwirtschaft dominiert, wo Begleitgrün, Alleebäume und Hecken fehlen, eignen sich bestenfalls für das Imkern mit modernen Rähmchenbeuten, bei denen das Zufüttern selbstverständlicher Teil der Betriebsweise ist.

In vielen Gegenden stellt heute nur noch die Frühtracht die einzig nennenswerte Tracht dar. Danach kommt bestenfalls noch der oft stark pestizidbelastete Raps. Um seine Bienen vor dem Verhungern zu bewahren, bleibt daher oft nur zuzufüttern oder zu wandern. Da aber bei Warré das Zufüttern mit Zucker soweit wie möglich vermieden werden sollte, ist ein kontinuierlicher Nektarfluss oberste Bedingung für eine erfolgreiche Warréimkerei. Einmalig für kurze Zeit blühende Rapsschläge reichen dafür nicht aus. Zudem eignet sich Rapshonig nicht für die Überwinterung des Volkes, da er sehr hart wird und von den Bienen im kristallisierten Zustand nicht aufgenommen werden kann.

Gesunde Völker benötigen darüber hinaus eine große Vielfalt an Blütenpollen für die Ernährung der Brut. Das gilt für jede Form der Bienenhaltung, weshalb es sich mittlerweile in Großstädten weit besser imkern lässt, als in landwirtschaftlichen Gebieten.

In früheren Zeiten stellten Ackerblumen, wie die Kornblume, die wichtigste Sommertracht für Honigbienen dar. Die einzig sinnvolle Lösung für eine bienen- und imkerfreundliche Landwirtschaft liegt daher in der Förderung des ökologischen Landbaus. Und die fängt schon bei der Entscheidung fürs Biobrötchen an. Das obenstehende Bild zeigt nicht etwa eine Blumenwiese, sondern ein Bio-Getreidefeld – ein Eldorado für Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten. Oder anders ausgedrückt: Mit jedem Biss ins Biobrötchen, lacht irgendwo ein Imker.

Gezählt wird im April …

… trotzdem läßt sich jetzt im Januar bereits gut abschätzen, mit wie vielen Völkern man aus dem Winter kommen wird, so dass man schon jetzt damit beginnen kann, den gewünschten Zuwachs an Völkern für die kommende Saison zu planen.

Denn für einen entspannten Saisonstart ist eine frühzeitige Planung unerläßlich – gemäß dem Motto „Ein Mangel an Vorbereitung ist die Vorbereitung auf den Mangel.“ Hier geht es vor allem um den Nachbau oder -kauf von Beutenmaterial, denn die nächste Schwarmzeit kommt oft schneller als man denkt und dann ist es gut, bereits ausreichend Böden, Kissen, Dächer und Zargen zur Verfügung zu haben. Und nichts ist blöder als der allgemein ausbrechende Beschaffungsstress im Mai – wo dieser Monat doch eigentlich die schönste Zeit für den Imker ist. Daher schon jetzt: Ran an die Sägen und Bestellzettel!

Ich selbst fahre zweigleisig. Dächer, Böden und Kissen baue ich selbst, weil die im Handel angebotenen durchweg aus sehr starkem Holz gebaut sind (meist 24 mm). Das macht die Beuten unnötig schwer, denn für Kissenzarge und Dächern reicht 18 mm starkes Holz vollkommen aus. Der klassische Warréboden besteht sogar nur aus 15 mm dicken Brettern. Hier eignen sich besonders gut ausrangierte Vollholz-Einlegeböden aus alten Wäschschränken. Und in manchen Baumärkten gibt es die klassische 18 mm-Leimholzplatte auch in 16 mm Stärke.

Meine Zargen kaufe ich zu, da ich Zargen mit Fenster bevorzuge, und hier der aufwändige Bau gegenüber einem Kauf nicht lohnt. Die besten Warré-Fensterzargen bekommt man meiner Ansicht nach bei massivholz-tischler.at. Sie sind gut gearbeitet, robust und langlebig – dadurch aber auch etwas schwer. Als leichtere Alternative empfehlen sich die Guckzargen beim Imkerbedarf Holtermann. Sie bestehen aus leichtem Holz, das leider wenig dauerhaft ist, sich dafür aber nicht verzieht.

Bei der Entscheidung sollte man sich von seiner persönlichen Körperkraft leiten lassen. Wer aber jetzt glaubt, dass der Unterschied doch sprichwörtlich gar nicht so ins Gewicht fallen kann, hat noch nie eine honiggefüllte Warrézarge von einem 5er Turm heruntergehoben.

Wirtschaftlichkeit

Abbé Warré war also nicht nur ein Freund der Bienen, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann und kühler Rechner. „Keine Rähmchen, keine Mittelwände, wenig Arbeit“ – dies ist das Firmenmotto, mit dem er seine Volksbeute bewarb und es fasst die Grundlagen der Warréimkerei gut zusammen, insbesondere wenn man sich bewußt ist, dass mit „wenig Arbeit“ auch die der Bienen gemeint ist. Durch die Besonderheiten in der Betriebsweise, dem Erhalt der Stockwärme als oberstem Ziel und dem Verzicht auf den künstlich erzeugten Sammeldruck, den das üblicherweise praktizierte Aufsetzen von leeren Honigzargen zur Folge hat, erspart man den Bienen einen Großteil an Arbeit zum Heizen und Sammeln, was ihrer Gesundheit zugute kommt. Kein Burnout bei Warré-Bienen. Der hieraus resultierende geringere Honigertrag wird durch die Möglichkeit ausgeglichen, mehr Völker halten zu können, da sich auch der imkerliche Arbeitsaufwand in der Warréimkerei auf ein Minimum beschränkt. Die Quintessenz der erfolgreichen Warréimkerei ist also: „Wenig Arbeit, viele Völker.“ Und tatsächlich ergab ein 10 Jahres-Vergleich der Belgier J. M. Frèrès und J. C. Guillaume zwischen Langstroth und Warré 30% geringere Produktionskosten pro Kilogramm für den nach Warré produzierten Honig.

Die Geschwister Warré und ihr Hund

Eloi François Émile Warré wurde am 9. März 1867 in Grébault-Mesnil im Departement Somme in Frankreich geboren. Er erhielt 1891 die Priesterweihe und wurde nacheinander Pfarrer von Mérélessart und von Martainneville. 1916 gab er aufgrund seines imkerlichen Erfolges seine Ordination auf, um nach Saint-Symphorien zurückzukehren und sich allein der Bienenhaltung zu widmen.

Dort entwickelte er auf Grundlage seiner Versuche mit 350 (!) Beuten verschiedener damals bestehender Systeme (u. a. der Dadant-Beute) sein Meisterstück, die Ruche Populaire, zu deutsch „Volksbeute“.  Hieraus erwuchs sich ein florierender Handel mit entsprechendem Imkerzubehör. Warré schrieb zudem mehrere Bücher zur Naturheilkunde. Sein Hauptwerk aber war das Handbuch zur Betriebsweise der Volksbeute »L’apiculture pour tous« (Bienenhaltung für alle), das in sage und schreibe 12 Auflagen erschienen ist. Die beiden Säulen der Warréimkerei, die Wirtschaftlichkeit und die Bienenfreundlichkeit, erklären sich aus diesem Zusammentreffen von naturkundlich interessiertem Geistlichen und Geschäftsmann in einer Person.

Doch wenn wir hier nur von den Leistungen des Abbé Warré sprechen, ist das nicht ganz richtig, denn die französische Redewendung „Cherchez la femme“ gilt auch im positiven Sinn. In Deutschland sagen wir: „Hinter jedem erfolgreichen Mann, steht eine starke Frau“. In Warrés Fall war dies seine 9 Jahre jüngere Schwester Maria Josephe Olympe Boucher, die auf nachfolgendem Foto zusammen mit ihrem Bruder bei der gemeinsamen Arbeit an den Beuten zu sehen ist und die später Warrés Erbe antrat. Zwischen den beiden liegt übrigens ihr „treuer Hund Toto“, den Warré in seinem Buch als Beweis für die Friedlichkeit seiner Bienen bei imkerlichen Operationen ins Feld fügt. Unter uns: Mich würde es enorm stören, wenn mir beim Imkern ein Hund vor den Füßen herumliegen würde, weshalb dieses Foto vielleicht auch als Beweis für die Friedlichkeit von Warrés Schwester gewertet werden kann.

Émile Warré starb 1951 im Alter von 84 Jahren. Seine Schwester überlebte ihn um 5 Jahre.

Mein Warré-Anfang

Plötzlich war er da, der Wunsch Bienen zu halten, ausgelöst durch die Lektüre des »Kleinen Hobbit« von J. R. R. Tolkien. Dessen Beschreibung des Bärenmenschen Beorn und seines Bienengartens brachte eine bis dahin stumme Saite in mir zum Schwingen. Vom Bienensterben war damals noch nicht viel zu hören, so dass ich mich im typisch zauberdurchdrungenen Anfang ganz meinen romantischen Vorstellungen hingeben konnte. Da die Rolle des Bärenmenschen aber nicht ganz meinen Selbstbild entsprach, malte ich mir mein künftiges Leben als Imker eher so aus, wie es dieses Gemälde eines Imkers von I. N. Kramskoj zeigt.

Was genau wollte ich? Bienen halten; ihnen im schönen Sonnenschein beim Fliegen und Bestäuben meiner Obstbäume zuschauen und ihnen hin und wieder ein Glas Honig stehlen, um mein Hobby vor meiner Familie zu legitimieren (ich selbst mag keinen Honig). Und nach nunmehr zehn Jahren Imkerpraxis kann ich sagen, dass ich dieses Ziel tatsächlich erreicht habe (bis auf den Bart, an dem arbeite ich noch). Bis dahin war es jedoch ein weiter und beschwerlicher Weg, denn die Imkerei hatte in den letzten hundert Jahren eine Entwicklung genommen, die kaum noch etwas mit einer naturnahen Bienenhaltung gemein hatte. Die gesamte Imkerpraxis schien einzig auf die Maximierung des Honigertrages ausgerichtet; Bücher, die ein „einfaches“ Imkern versprachen, verwirrten mich mit Anweisungen á la „BR 3 nach C7“ und in Imkerforen verbreitete man sich über all die kleinen Rädchen, an denen der erfolgreiche Bienenvater drehen kann (und sollte). Nun wollte ich aber kein Imkervater werden, sondern sozusagen eine Imkermutter, ihre Schützlinge behütend und sanft durchs Leben geleitend. Die herkömmliche Art, mit Bienen umzugehen, entsprach daher ganz und gar nicht meinen Vorstellungen. Hinzu kam, dass Imkerei vor allem eins zu bedeuten schien: Arbeit und Stress. Für mich (O-Ton: „Ein Imker geht mindestens einmal die Woche an seine Völker.“) – aber auch für die Bienen.

Fast hätte ich meinen Traum von Imkerei damals wieder aufgegeben, hätte es da nicht eine junge Bewegung gegeben, die sich einer bienen- und imkerfreundlicheren Bienenhaltung verschrieben hatte. Entstanden aus der Selbstversorgerbewegung, wo jedes Wirtschaften naturnah, nachhaltig und gleichzeitig effizient sein sollte, entwickelte, verwarf und verfeinerte man etliche Konzepte für einen freudlicheren Umgang von Mensch und Biene. Kernstück waren die sogenannten Oberträgerbeuten, die Top-Bar-Hive (TBH) und die Warrébeute. Der Grund, warum ich selbst mich letztlich für Warré entschieden habe, war ein rein ästhetischer – ich fand die Warrébeute einfach hübscher. Nichts desto trotz habe ich mir schon lang einmal vorgenommen, mir auch eine TBH an den Stand zu holen, da ich die Betriebsweise (in der Theorie) sehr überzeugend finde.

Über die Jahre habe ich viele verschiedene Beutensysteme ausprobiert, darunter Klotzbeuten und moderne Rähmchenmagazine. Meine Begeisterung für Warré ist jedoch ungebrochen, getreu Warrés Motto: „Keine Rähmchen, keine Mittelwände, wenig Arbeit“.

In eigener Sache

Ich halte die Warré-Bienenhaltung nicht für das Nonplusultra der Imkerei. Letztendlich kann man Bienen in jeder Kiste halten, je nach Wünschen und Möglichkeiten, aber auch je nach Vorliebe und persönlichem Charakter. Der eine möchte am liebsten an jedem schönen Sonnentag an seinen Bienen arbeiten, der andere möchte, wie ich, lieber diese Zeit im Liegestuhl vorm Bienenstand verbringen und seinen Bienen beim Arbeiten zusehen. Für letztere schreibe ich diesen Blog. Jeder, der gern Einfluß nimmt, an vielen Rädchen dreht und Befriedigung aus der Arbeit am Volk zieht, sollte sich für eine moderne Rähmchenbeute entscheiden. Er wird für seinen Einsatz mit viel Honig belohnt werden – versprochen. Und keine Sorge, die Bienen werden es Euch verzeihen, die sind größtenteils imkerresistent.

In diesem Zusammenhang liegt mir ein Rat besonders am Herzen: Hütet Euch vor dem Versprechen einer wesensgemäßen Imkerei. Die gibt es nicht. Auch die Warré-Bienenhaltung ist nicht „wesensgemäß“. Naturnah? Vielleicht. Aber sicher nicht wesensgemäß. Das Wesen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) ist es, den langen Winter gemeinsam als Volk zu überdauern, und das nicht etwa in Kältestarre, wie die meisten anderen Insekten, sondern bei kuschligen 32° C in der Wintertraube. Zu diesem Zweck sammeln sie in den warmen Jahreszeiten jede Menge Nektar, den sie zu haltbarem Honig veredeln – als Heizmaterial für den Winter. Sie sammeln den Honig also keineswegs für uns, wie einige beliebte Kinderlieder suggerieren. Und sie geben ihn auch nicht freiwillig raus, nicht mal als Mietzahlung für die hölzernen Kästen, die wir ihnen als billigen Ersatz für ihre natürlichen Behausungen anbieten. Im Gegenteil, im Wesen der Biene liegt es, ihren mühsam gesammelten Honig unter Einsatz ihres Lebens gegen jeden Honigdieb zu verteidigen. Ein wesensgemäßes Dasein führen also nur Bienen, die hoch oben im lebendigen (!) hohlen Baum leben, dort ihr natürliches Wabenwerk bauen und Ihren Honig behalten können. Oder, um mit den Worten der Philosophin Hilal Sezgin zu sprechen „Artgerecht ist nur die Freiheit“. Jede Nutztierhaltung ist in gewissem Maße Ausbeutung und letztendlich kann es bei einer Imkerei im Sinne der Tierethik nur darum gehen, die Bienen so wenig wie möglich zu belasten. Das geht mehr oder weniger mit jeder Beute und jeder Betriebsweise. Zumal wir hier immer über Hobbyimkerei sprechen, die keinen wirtschaftlichen Zwängen unterworfen ist.