Warré-Briefkasten

Liebe Warréaner und alle, die es werden wollen,

mich erreichen fast täglich E-Mails mit Fragen zu Warré, die ich auch gern beantworte, wenn es meine Zeit erlaubt. Leider hat auf diesem Weg nur der Fragende etwas von der Antwort. Deshalb hier mein Angebot, Fragen direkt hier als Kommentar zu diesem Beitrag zu hinterlassen. Ich werde  diese dann in einem eigenen Beitrag öffentlich und für alle (hoffentlich) zum Nutzen beantworten.

„Bienenhaltung für alle“ – Zweite überarbeitete Auflage

Liebe Warréfreunde,

ich freue mich, Euch mitteilen zu können, dass ab heute die zweite Auflage der deutschen Ausgabe von Warrés Klassiker „Bienenhaltung für alle“ als überarbeitete Fassung erhältlich ist – wie gehabt als freie Webversion und als Taschenbuch. Beides findet Ihr hier.

Ich habe das Buch sprachlich noch um einiges verbessern können und darüber hinaus eine etwas günstigere Druckerei gefunden, so dass das Taschenbuch nun nur noch 16,80 € kostet. Über die eine oder andere Bestellung würde ich mich freuen.

Eure Mandy Fritzsche

Wahlcheck – Wie stehen die Parteien zum Bienenschutz?

Habt Ihr Euch auch schon gefragt, wie die etablierten
Parteien eigentlich zum Bienenschutz stehen?

Ich schon, und deshalb habe ich mal die Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD, FDP, Linke, Grüne und AfD nach dem Suchwort „Biene“ durchforstet. Leider sieht es hier bei den meisten Parteien traurig aus, denn fündig bin ich nur bei zwei Parteien geworden, den Linken und den Grünen. Erwartungsgemäß hatten hier die Grünen die Nase vorn. 5 Funde des Suchbegriffes „Biene“ neben diversen Forderungen für deren Schutz. Das Programm der Linke brachte es auf einen Treffer. Einen Zusatzpunkt bekommen sie von mir für die Erwähnung der Hummeln, Zitat: „Besonders Nutzinsekten wie Bienen und Hummeln müssen erhalten und gefördert werden.“

Für alle anderen Parteien scheint der Schutz von Wild-und Honigbienen – unseren wichtigsten Bestäubern – kein Thema zu sein. Zum Vergleich: das Suchwort „Meere“ taucht insgesamt 31 mal in den diversen Wahlprogrammen auf.

Schwarm einschlagen vs. Einlaufen lassen

Hat man einen Schwarm endlich glücklich in der Schwarmfangkiste, stellt sich als nächstes die Frage, ob man den Schwarm einfach von oben in die neue Beute  „einschlagen“  oder ihn von selbst durchs Flugloch einlaufen lassen sollte.

Vielerorts wird mittlerweile letzteres empfohlen. Damit soll den Bienen zum einen der Eindruck vermittelt werden, sich ihre neue Behausung selbst ausgesucht zu haben, was sie am Wiederauszug hindern soll. Wichtiger scheint mir hier aber der Aspekt der Seuchenhygiene zu sein. Die frisch gefangenen Bienen sind oft noch feucht vom Schwarmfang und klebrig vom in der Aufregung ausgespuckten Honig. Lässt man sie einlaufen, haben sie Gelegenheit etwas abzutrocknen und sich zumindest die Füße etwas sauberzulaufen, bevor sie ihr neues Zuhause beziehen.

Ich selbst schlage die Bienen aber immer einfach von oben ein, da mir die Gefahr, dass die Königin davonfliegt, statt in die Kiste einzulaufen, zu hoch ist. Da es sich bei meinen Schwärmen fast ausschließlich um geborgene Fremdschwärme in ungünstigen Lagen handelt, habe ich zu diesem Zeitpunkt meist schon genügend Nerven gelassen, um noch zu pokern. Zudem hängen sich eingelaufene Schwärme gern direkt an den Oberträgern der untersten Zarge auf und fangen dort zu bauen an, was weitere Arbeit für den Imker und Störung für die Bienen bedeutet.

Zum Einschlagen stelle ich eine leere Zarge ohne Oberträger oben auf die offene Beute und schütte die leicht mit Wasser besprühten Bienen mit einem beherzten Schlag in diesen „Trichter“. Die Bienen verschwinden dann recht schnell nach unten. Nach einigen Minuten kann man vorsichtig das Tuch auf die noch oben sitzenden Bienen legen. Dieser sanfte Druck bringt sie dann binnen Minuten dazu, ebenfalls nach unten zu gehen.

Trotz dass ich es mir hier einfach mache, ist mir bisher noch kein Schwarm wieder aus der Warré ausgezogen. Übrigens: Die Schwarmbienen dürfen in den ersten drei Tagen auf keinen Fall gefüttert werden, da sie dass anminieren könnte, doch noch weiterzufliegen.

Aufsetzen schwacher Völker über Absperrgitter

Die Methode, schwachen Völkern im Frühling unter die Arme (bzw. die Flügel) zu greifen, indem man sie über Absperrgitter auf starke Völker aufsetzt, hat sich bei mir in den letzten Jahren bewährt. Wichtig ist aber, dass das aufgesetzte Volk Brut hat. Wenn nicht, ziehen alle aufgesetzten Bienen nach unten um. Sie versuchen dabei, ihre Königin mitzunehmen und, da sie nicht durchs Absperrgitter passt, kann es passieren, dass sie sie mit Gewalt hindurchzerren – Notfalls in Einzelteilen.

Imker-Phänologie 02 – Unterstellen an Ostern

Abbé Warré schlug das Osterwochenende als Zeitpunkt des Unterstellens der neuen Zargen vor. Prinzipiell halte ich mich ebenfalls an diesen Termin, da er sich gut merken läßt. Da aber in diesem Jahr Ostern recht spät ist (Mitte April hatten wir 2015 schon die ersten Schwärme), werde ich die kommenden warmen Tage dazu nutzen, meine Warréstöcke zu erweitern.

Ich stelle immer gleich zwei Zargen unter. Als dritte von oben verwende ich eine ausgebaute Zarge mit leerem Wabenwerk vom letzten Jahr. Diese sollte aus Seuchenschutzgründen vom selben Volk stammen. Darunter kommt noch eine komplett leere Zarge, damit die Bienen sich mit Bauen beschäftigen können. Denn fleißige Häuslebauer zieht es weniger in die weite Welt …

Imker-Phänologie 01 – Weidenblüte

Die ersten Weiden blühen. Damit ist der Moment gekommen, die Mäusegitter zu entfernen, damit die Bienen nicht beim Frühjahrsputz gestört werden.

Bei schönem Wetter sieht man auch spätestens jetzt, welche Völker den Winter nicht überlebt haben. Bei diesen werden die Fluglöcher bienendicht verschlossen, damit sich keine Sammlerinnen anderer Völker an den zurückgebliebenen Vorräten bedienen und so möglicherweise mit Krankheiten anstecken. Solche Frühlingsräuberinnen werden von Jungimkern übrigens oft für Bienen des eigenen Volkes gehalten und so die Räuberei fälschlicherweise als Zeichen für ein gut ausgewintertes Volk interpretiert.

Die Biene lebt nicht vom Raps allein

Bevor man sich für die Warréimkerei oder eine andere naturnahe Form der Bienenhaltung entscheidet, bedarf es der genauen Einschätzung des eigenen Standorts. Das Zauberwort heißt „kontinuierliche Läppertracht“. Gegenden, in denen die industrielle Landwirtschaft dominiert, wo Begleitgrün, Alleebäume und Hecken fehlen, eignen sich bestenfalls für das Imkern mit modernen Rähmchenbeuten, bei denen das Zufüttern selbstverständlicher Teil der Betriebsweise ist.

In vielen Gegenden stellt heute nur noch die Frühtracht die einzig nennenswerte Tracht dar. Danach kommt bestenfalls noch der oft stark pestizidbelastete Raps. Um seine Bienen vor dem Verhungern zu bewahren, bleibt daher oft nur zuzufüttern oder zu wandern. Da aber bei Warré das Zufüttern mit Zucker soweit wie möglich vermieden werden sollte, ist ein kontinuierlicher Nektarfluss oberste Bedingung für eine erfolgreiche Warréimkerei. Einmalig für kurze Zeit blühende Rapsschläge reichen dafür nicht aus. Zudem eignet sich Rapshonig nicht für die Überwinterung des Volkes, da er sehr hart wird und von den Bienen im kristallisierten Zustand nicht aufgenommen werden kann.

Gesunde Völker benötigen darüber hinaus eine große Vielfalt an Blütenpollen für die Ernährung der Brut. Das gilt für jede Form der Bienenhaltung, weshalb es sich mittlerweile in Großstädten weit besser imkern lässt, als in landwirtschaftlichen Gebieten.

In früheren Zeiten stellten Ackerblumen, wie die Kornblume, die wichtigste Sommertracht für Honigbienen dar. Die einzig sinnvolle Lösung für eine bienen- und imkerfreundliche Landwirtschaft liegt daher in der Förderung des ökologischen Landbaus. Und die fängt schon bei der Entscheidung fürs Biobrötchen an. Das obenstehende Bild zeigt nicht etwa eine Blumenwiese, sondern ein Bio-Getreidefeld – ein Eldorado für Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten. Oder anders ausgedrückt: Mit jedem Biss ins Biobrötchen, lacht irgendwo ein Imker.

Gezählt wird im April …

… trotzdem läßt sich jetzt im Januar bereits gut abschätzen, mit wie vielen Völkern man aus dem Winter kommen wird, so dass man schon jetzt damit beginnen kann, den gewünschten Zuwachs an Völkern für die kommende Saison zu planen.

Denn für einen entspannten Saisonstart ist eine frühzeitige Planung unerläßlich – gemäß dem Motto „Ein Mangel an Vorbereitung ist die Vorbereitung auf den Mangel.“ Hier geht es vor allem um den Nachbau oder -kauf von Beutenmaterial, denn die nächste Schwarmzeit kommt oft schneller als man denkt und dann ist es gut, bereits ausreichend Böden, Kissen, Dächer und Zargen zur Verfügung zu haben. Und nichts ist blöder als der allgemein ausbrechende Beschaffungsstress im Mai – wo dieser Monat doch eigentlich die schönste Zeit für den Imker ist. Daher schon jetzt: Ran an die Sägen und Bestellzettel!

Ich selbst fahre zweigleisig. Dächer, Böden und Kissen baue ich selbst, weil die im Handel angebotenen durchweg aus sehr starkem Holz gebaut sind (meist 24 mm). Das macht die Beuten unnötig schwer, denn für Kissenzarge und Dächern reicht 18 mm starkes Holz vollkommen aus. Der klassische Warréboden besteht sogar nur aus 15 mm dicken Brettern. Hier eignen sich besonders gut ausrangierte Vollholz-Einlegeböden aus alten Wäschschränken. Und in manchen Baumärkten gibt es die klassische 18 mm-Leimholzplatte auch in 16 mm Stärke.

Meine Zargen kaufe ich zu, da ich Zargen mit Fenster bevorzuge, und hier der aufwändige Bau gegenüber einem Kauf nicht lohnt. Die besten Warré-Fensterzargen bekommt man meiner Ansicht nach bei massivholz-tischler.at. Sie sind gut gearbeitet, robust und langlebig – dadurch aber auch etwas schwer. Als leichtere Alternative empfehlen sich die Guckzargen beim Imkerbedarf Holtermann. Sie bestehen aus leichtem Holz, das leider wenig dauerhaft ist, sich dafür aber nicht verzieht.

Bei der Entscheidung sollte man sich von seiner persönlichen Körperkraft leiten lassen. Wer aber jetzt glaubt, dass der Unterschied doch sprichwörtlich gar nicht so ins Gewicht fallen kann, hat noch nie eine honiggefüllte Warrézarge von einem 5er Turm heruntergehoben.

Wirtschaftlichkeit

Abbé Warré war also nicht nur ein Freund der Bienen, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann und kühler Rechner. „Keine Rähmchen, keine Mittelwände, wenig Arbeit“ – dies ist das Firmenmotto, mit dem er seine Volksbeute bewarb und es fasst die Grundlagen der Warréimkerei gut zusammen, insbesondere wenn man sich bewußt ist, dass mit „wenig Arbeit“ auch die der Bienen gemeint ist. Durch die Besonderheiten in der Betriebsweise, dem Erhalt der Stockwärme als oberstem Ziel und dem Verzicht auf den künstlich erzeugten Sammeldruck, den das üblicherweise praktizierte Aufsetzen von leeren Honigzargen zur Folge hat, erspart man den Bienen einen Großteil an Arbeit zum Heizen und Sammeln, was ihrer Gesundheit zugute kommt. Kein Burnout bei Warré-Bienen. Der hieraus resultierende geringere Honigertrag wird durch die Möglichkeit ausgeglichen, mehr Völker halten zu können, da sich auch der imkerliche Arbeitsaufwand in der Warréimkerei auf ein Minimum beschränkt. Die Quintessenz der erfolgreichen Warréimkerei ist also: „Wenig Arbeit, viele Völker.“ Und tatsächlich ergab ein 10 Jahres-Vergleich der Belgier J. M. Frèrès und J. C. Guillaume zwischen Langstroth und Warré 30% geringere Produktionskosten pro Kilogramm für den nach Warré produzierten Honig.