Die Geschwister Warré und ihr Hund

Eloi François Émile Warré wurde am 9. März 1867 in Grébault-Mesnil im Departement Somme in Frankreich geboren. Er erhielt 1891 die Priesterweihe und wurde nacheinander Pfarrer von Mérélessart und von Martainneville. 1916 gab er aufgrund seines imkerlichen Erfolges seine Ordination auf, um nach Saint-Symphorien zurückzukehren und sich allein der Bienenhaltung zu widmen.

Dort entwickelte er auf Grundlage seiner Versuche mit 350 (!) Beuten verschiedener damals bestehender Systeme (u. a. der Dadant-Beute) sein Meisterstück, die Ruche Populaire, zu deutsch „Volksbeute“.  Hieraus erwuchs sich ein florierender Handel mit entsprechendem Imkerzubehör. Warré schrieb zudem mehrere Bücher zur Naturheilkunde. Sein Hauptwerk aber war das Handbuch zur Betriebsweise der Volksbeute »L’apiculture pour tous« (Bienenhaltung für alle), das in sage und schreibe 12 Auflagen erschienen ist. Die beiden Säulen der Warréimkerei, die Wirtschaftlichkeit und die Bienenfreundlichkeit, erklären sich aus diesem Zusammentreffen von naturkundlich interessiertem Geistlichen und Geschäftsmann in einer Person.

Doch wenn wir hier nur von den Leistungen des Abbé Warré sprechen, ist das nicht ganz richtig, denn die französische Redewendung „Cherchez la femme“ gilt auch im positiven Sinn. In Deutschland sagen wir: „Hinter jedem erfolgreichen Mann, steht eine starke Frau“. In Warrés Fall war dies seine 9 Jahre jüngere Schwester Maria Josephe Olympe Boucher, die auf nachfolgendem Foto zusammen mit ihrem Bruder bei der gemeinsamen Arbeit an den Beuten zu sehen ist und die später Warrés Erbe antrat. Zwischen den beiden liegt übrigens ihr „treuer Hund Toto“, den Warré in seinem Buch als Beweis für die Friedlichkeit seiner Bienen bei imkerlichen Operationen ins Feld fügt. Unter uns: Mich würde es enorm stören, wenn mir beim Imkern ein Hund vor den Füßen herumliegen würde, weshalb dieses Foto vielleicht auch als Beweis für die Friedlichkeit von Warrés Schwester gewertet werden kann.

Émile Warré starb 1951 im Alter von 84 Jahren. Seine Schwester überlebte ihn um 5 Jahre.

Mein Warré-Anfang

Plötzlich war er da, der Wunsch Bienen zu halten, ausgelöst durch die Lektüre des »Kleinen Hobbit« von J. R. R. Tolkien. Dessen Beschreibung des Bärenmenschen Beorn und seines Bienengartens brachte eine bis dahin stumme Saite in mir zum Schwingen. Vom Bienensterben war damals noch nicht viel zu hören, so dass ich mich im typisch zauberdurchdrungenen Anfang ganz meinen romantischen Vorstellungen hingeben konnte. Da die Rolle des Bärenmenschen aber nicht ganz meinen Selbstbild entsprach, malte ich mir mein künftiges Leben als Imker eher so aus, wie es dieses Gemälde eines Imkers von I. N. Kramskoj zeigt.

Was genau wollte ich? Bienen halten; ihnen im schönen Sonnenschein beim Fliegen und Bestäuben meiner Obstbäume zuschauen und ihnen hin und wieder ein Glas Honig stehlen, um mein Hobby vor meiner Familie zu legitimieren (ich selbst mag keinen Honig). Und nach nunmehr zehn Jahren Imkerpraxis kann ich sagen, dass ich dieses Ziel tatsächlich erreicht habe (bis auf den Bart, an dem arbeite ich noch). Bis dahin war es jedoch ein weiter und beschwerlicher Weg, denn die Imkerei hatte in den letzten hundert Jahren eine Entwicklung genommen, die kaum noch etwas mit einer naturnahen Bienenhaltung gemein hatte. Die gesamte Imkerpraxis schien einzig auf die Maximierung des Honigertrages ausgerichtet; Bücher, die ein „einfaches“ Imkern versprachen, verwirrten mich mit Anweisungen á la „BR 3 nach C7“ und in Imkerforen verbreitete man sich über all die kleinen Rädchen, an denen der erfolgreiche Bienenvater drehen kann (und sollte). Nun wollte ich aber kein Imkervater werden, sondern sozusagen eine Imkermutter, ihre Schützlinge behütend und sanft durchs Leben geleitend. Die herkömmliche Art, mit Bienen umzugehen, entsprach daher ganz und gar nicht meinen Vorstellungen. Hinzu kam, dass Imkerei vor allem eins zu bedeuten schien: Arbeit und Stress. Für mich (O-Ton: „Ein Imker geht mindestens einmal die Woche an seine Völker.“) – aber auch für die Bienen.

Fast hätte ich meinen Traum von Imkerei damals wieder aufgegeben, hätte es da nicht eine junge Bewegung gegeben, die sich einer bienen- und imkerfreundlicheren Bienenhaltung verschrieben hatte. Entstanden aus der Selbstversorgerbewegung, wo jedes Wirtschaften naturnah, nachhaltig und gleichzeitig effizient sein sollte, entwickelte, verwarf und verfeinerte man etliche Konzepte für einen freudlicheren Umgang von Mensch und Biene. Kernstück waren die sogenannten Oberträgerbeuten, die Top-Bar-Hive (TBH) und die Warrébeute. Der Grund, warum ich selbst mich letztlich für Warré entschieden habe, war ein rein ästhetischer – ich fand die Warrébeute einfach hübscher. Nichts desto trotz habe ich mir schon lang einmal vorgenommen, mir auch eine TBH an den Stand zu holen, da ich die Betriebsweise (in der Theorie) sehr überzeugend finde.

Über die Jahre habe ich viele verschiedene Beutensysteme ausprobiert, darunter Klotzbeuten und moderne Rähmchenmagazine. Meine Begeisterung für Warré ist jedoch ungebrochen, getreu Warrés Motto: „Keine Rähmchen, keine Mittelwände, wenig Arbeit“.