Frage: Ist Warré für Anfänger geeignet?

Frage: Ich stehe ganz am Anfang der Imkerei, genauer gesagt, fange ich in diesem Jahr erst an und besuche dafür einen Kurs. Ich war bislang fest entschlossen „Warréanerin“ zu werden. Nun komme ich ein klein wenige ins Straucheln, denn im Kurs wird Warré für Anfänger nicht unbedingt empfohlen. Ein Grund dafür ist bspw., dass die Möglichkeit gegeben sein sollte, den Bien „in die Hand zu nehmen“ – idealerweise mit Rähmchen. Dies – vor allem auch – um Erfahrung durch Beobachtung zu sammenln. Auf Grund des zweiräumigen Brutkörpers müsste der Bien dann jedesmal zerlegt werden.

Generell wird im Kurs empfohlen für die ersten 3-5 Jahre (Lehrzeit) eine einfach zu handhabende Beute (Einraumbeute) einzusetzen.

Zur Zeit denke ich dennoch an und mit Warré das Imkern lernen zu können. Evtl. zu Beginn mit dem Einsatz von Rähmchen. Aber vielleicht bin ich da auch zu optimistisch? Was meinst du dazu? Dein Rat als erfahrene Warréanerin wäre mir sehr wichtig.

Antwort: Du hast es bei Deinem Kurs leider mit ein paar Vorurteilen zu tun. Prinzipiell ist Warré, aus meiner Sicht, oft sogar einfacher zu bearbeiten, selbst als Einraumbeuten. Ich halte jedes Jahr einen Tag beim Jungimkerkurs der Sächsischen Imkerschule und da gibt es immer ein paar Leute, die schon drauf und dran waren, das Imkern ganz sein zu lassen, weil es ihnen zu kompliziert ist (vor mir ist immer der Dadant-Tag) und dann mit Warré anfangen, wegen der Einfachheit der Bearbeitung. Der einzige Nachteil bei Warré besteht, aus meiner Sicht, in der geringeren Honigernte, alles andere ist nur eine Frage der Technik. Schwierig ist es für Anfänger daher eigentlich nur, dass sie meist keinen Warré-Paten finden und es sich beim ersten Mal selbst trauen müssen, Hand anzulegen, z. B. um eine Wabe zu ziehen.

Generell ist es so, dass man auch bei Warré die Waben sehr gut ziehen kann. In der Kurzanleitung ist ein spezielles Messer abgebildet, mit dem man die Waben sogar von oben freischneiden kann. Dieses Freischneiden darf man sich nicht zu kompliziert vorstellen, denn die Waben sind meist nur im obersten Wabendrittel angebaut. Wenn man mit Anfangsstreifen arbeitet, sind die Waben schön gerade und lassen sich gut ziehen, und das sogar besser als Rähmchen, denn diese sind (jedenfalls bei mir) immer so mit Propolis verklebt, dass man manchmal ziemlich kämpfen muss, um sie ziehen zu können.

Etwas aufpassen muss man bei Waben mit viel Honig. Das Einzige, das man beim Wabenziehen bei Stabilbau wirklich beachten muss, ist aber, dass man die Waben immer längs um den Oberträger dreht, da sie sonst abbrechen können. Das passiert aber jedem nur einmal. 😉

Die Mehrzargigkeit macht es tatsächlich etwas schwieriger, das trifft aber auf andere mehrzargige (Rähmchen-)Beuten genauso zu. Hier hat die Warrézarge aber den Vorteil, dass sie sehr klein und handlich ist, so dass man sie schnell mal umwenden und von unten begutachten kann, ohne die Waben ziehen zu müssen. Wenn man Fensterzargen hat, kann man aber auch schon von außen einschätzen, wo sich das Brutnest befindet und gezielt mit dieser Zarge arbeiten.

Ein Beispiel dafür, dass die Warréimkerei oft sogar einfacher und schneller ist, ist die Weiselzellenkontrolle. Durch die flachen Zargen befinden sich potentielle Schwarmzellen immer an den unteren Wabenrändern der ersten oder zweiten Zarge. Durch Kontrolle von unten hat man dadurch innerhalb von 3 Minuten den Schwarmzellencheck gemacht, ohne mühsam alle Brutzellenrähmchen ziehen und begutachten zu müssen.

Ich kann allen Anfängern, die es mit Warré versuchen wollen, daher nur Mut zusprechen. Abgesehen von einer gewissen Beherztheit, die man bei den ersten Arbeiten am Volk benötigt (bedingt durch den oft fehlenden Imkerpaten, der die Handgriffe erst einmal zeigen könnte), ist Warré aus meiner Sicht sehr gut für Anfänger geeignet. Menschen, die sich für´s Imkern als Hobby entschieden haben, neigen aber ohnehin meist nicht zur Verzagtheit. Man darf sich nur nicht zu sehr ins Bockshorn jagen lassen.

Ich wünsche Dir viel Glück, und egal, wie Du ich entscheidest, wird es richtig sein!

Fragen zum Frühjahrsputz

Frage: Heute hat unser kleines Völkchen fleißig geputzt und geräumt (obwohl es nur 8 °C waren). Hierzu zwei Fragen:

1. Stellt das Wasser, welches am Eingang etwas herausläuft, ein Problem dar? Die Bienen versuchen, es wegzufächeln. Kommt soviel Waser von der Verdunstungswärme (Kondenswasser) aus der Bruterwärmung? Sollte der Belüftungsmechanismus bei Warre so ein Schwitzen nicht verhindern? Und sollte man eventuell das Flugloch größer machen, damit alles besser belüftet wird?

2. Ist das braune „Mehl“ am Eingang Wachsabrieb?

3. Wann sollte man das Bodenbrett durch ein frisches austauschen? Es werden sicherlich gerade noch viele tote Bienen und Wachsabrieb auf dem jetzigen Brett liegen, was die Bienen ausräumen wollen. Sollte ich mit einem neuen Brett behilflich sein?

Anwort: 1. Das Wasser ist ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass sie ordentlich brüten, das Volk also auch nicht zu klein ist. Es ist in dem Sinne kein normales Verdunstungswasser und entsteht, wie Du vermutet hast, im zeitigen Frühling durch die Wärme, die beim Brüten entsteht. Ich erkläre mir das so, dass, wenn es draußen kalt ist, der Taupunkt im Inneren der Beute liegt, weil die Beutenwände kalt sind. Die feucht-warme Luft im Innern der Beute kondensiert an den Beutenwänden und fließt nach unten ab. Lass den Eingang ruhig so, das mit dem Wasser gibt sich bald wieder, sobald es auch nachts wärmer wird.

Manche Imker vermuten sogar, dass dieses Tauwasser von den Bienen aufgenommen wird, so dass sie während der kalten Zeit nicht zum Wasserholen ausfliegen müssen.

2. Das Geraspel am Eingang stammt von Wachsdeckeln, die herunterfallen, wenn sich die Bienen durch die Wintervorräte fressen. Da sie im Winter nicht zum Bodenputzen kommen, ist der Boden im Frühling damit bedeckt. In den ersten warmen Tagen, fangen die Bienen dann sofort mit Frühjahrsputz an und bringen das Wachsgeraspel nach draußen, so dass in den ersten Tagen oft etwas davon am Flugloch herumliegt.

3. Mit dem neuen Brett würde ich noch bis zum Unterstellen der neuen Zargen warten, also mindestens bis Ostern. Jetzt würde es, aus meiner Sicht, noch zuviel Unruhe reinbringen.