Die Biene lebt nicht vom Raps allein

Bevor man sich für die Warréimkerei oder eine andere naturnahe Form der Bienenhaltung entscheidet, bedarf es der genauen Einschätzung des eigenen Standorts. Das Zauberwort heißt „kontinuierliche Läppertracht“. Gegenden, in denen die industrielle Landwirtschaft dominiert, wo Begleitgrün, Alleebäume und Hecken fehlen, eignen sich bestenfalls für das Imkern mit modernen Rähmchenbeuten, bei denen das Zufüttern selbstverständlicher Teil der Betriebsweise ist.

In vielen Gegenden stellt heute nur noch die Frühtracht die einzig nennenswerte Tracht dar. Danach kommt bestenfalls noch der oft stark pestizidbelastete Raps. Um seine Bienen vor dem Verhungern zu bewahren, bleibt daher oft nur zuzufüttern oder zu wandern. Da aber bei Warré das Zufüttern mit Zucker soweit wie möglich vermieden werden sollte, ist ein kontinuierlicher Nektarfluss oberste Bedingung für eine erfolgreiche Warréimkerei. Einmalig für kurze Zeit blühende Rapsschläge reichen dafür nicht aus. Zudem eignet sich Rapshonig nicht für die Überwinterung des Volkes, da er sehr hart wird und von den Bienen im kristallisierten Zustand nicht aufgenommen werden kann.

Gesunde Völker benötigen darüber hinaus eine große Vielfalt an Blütenpollen für die Ernährung der Brut. Das gilt für jede Form der Bienenhaltung, weshalb es sich mittlerweile in Großstädten weit besser imkern lässt, als in landwirtschaftlichen Gebieten.

In früheren Zeiten stellten Ackerblumen, wie die Kornblume, die wichtigste Sommertracht für Honigbienen dar. Die einzig sinnvolle Lösung für eine bienen- und imkerfreundliche Landwirtschaft liegt daher in der Förderung des ökologischen Landbaus. Und die fängt schon bei der Entscheidung fürs Biobrötchen an. Das obenstehende Bild zeigt nicht etwa eine Blumenwiese, sondern ein Bio-Getreidefeld – ein Eldorado für Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten. Oder anders ausgedrückt: Mit jedem Biss ins Biobrötchen, lacht irgendwo ein Imker.

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