Frage zur Nichtbehandlung

Frage von Madlin: Ich beschäftige mich nun seit einiger Zeit zumindest in der Theorie mit der Imkerei – insbesondere die Haltung in einer Warre Beute erscheint mir sehr vernünftig.

Nun bin ich über deinen Kommentar über den Umgang mit der Varroamilbe gestolpert. Du schreibst hier, dass du nicht gegen die Milbe behandelst. Ich schließe daraus, dass deine Bienen in einem Gleichgewicht mit dem Parasiten lebt. Wie bist du zu diesem Zustand gekommen? Ich habe zwar von Studien wie dem Gotlandversuch gelesen, bei dem die Völker den Varroamilbe ohne Behandlung überlassen haben. Das Ergebnis von Völkern, die im Gleichgewicht mit Varroa lebten, ist extrem erstrebenswert, jedoch war der Weg dahin damit verbunden, dass die Zahl der Völker extrem einschrumpften.

Wo man auch liest – auch bei anderen Konzepten ‚wesensgemäßer‘ Bienenhaltung – liest man trotz des Zwists eigentlich keine Medikamente in das Volk zu bringen, dass eine Varroabehandlung unumgänglich ist. Auch in ‚Imkern nach Warre‘ von Heuvel wird an der Notwendigkeit kein Zweifel gelassen.
Lange Rede, kurzer Sinn: wie hast du es geschafft, dass deine Völker mit der Milbe leben können?

Antwort: Liebe Madlin, vielleicht funktioniert es bei mir, weil ich nicht nur Imkerin, sondern auch Entomologin bin, und deshalb vieles eher wie ein Biologe, als wie ein Tierhalter betrachte. Ich vertraue einfach auf die Evolution und, da ich trotz allem Tierhalter bin, fördere ich diese durch gezielte Zucht.

Manche Völker sterben an Varroa, so wie auch manche Wildbienenkolonie scheinbar grundlos von einem Jahr auf das andere verschwindet. Die meisten Völker kommen zwar über den Winter, aber nur so knappab. Ein paar Völker aber überleben den Winter, als gäbe es gar keine Varroa. Von diesen Völkern ziehe ich nach und weisele die Mickerlinge um. Unterstützend wirkt, dass die Völker übers Jahr kaum gestört werden.

Hilfreich ist es zudem, mit Schwärmen zu starten, von denen man weiß, dass sie von Völkern stammen, die bereits mehr als 2 Winter überlebt haben, z. B. in einer Hauswand, bei der man nicht an das Volk herankam, oder in einem hohlen Baum.

Was man aber zur Nichtbehandlung immer im Kopf haben muss, ist die Tatsache, das solcherart in Ruhe gelassene Völker in den ersten Jahren kaum Honig bringen, da sie schlicht mit Überleben beschäftigt sind. Dies war wahrschinlich auch der Grund, warum Versuche, wie das Gotlandprojekt nicht weitergeführt wurden.

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