Warré-Ablegerbildung unter Ausnutzung des Schwarmtriebs – Teil 1: Wöchentliche Weiselzellenkontrolle

Abbé Warré betrieb Ablegerbildung, indem er die Zargen großer Völker systematisch aufteilte. Er achtete dabei nicht auf Weiselzellen oder andere Anzeichen für Schwarmstimmung, sondern ging einfach zu Beginn der Schwarmzeit in seiner Region vor.

Günstiger für die weitere Entwicklung beider Volksteile ist es, mit dem Schwarmtrieb zu arbeiten. In Bernhards Kurzanleitung habe ich mein Vorgehen bereits kurz beschrieben. Da aber immer mal wieder Fragen dazu auftauchen, hier noch einmal etwas ausführlicher:

Im Unterschied zur normalen Ablegerbildung in Rähmchenbeuten bekommen wir bei der Warré-Ablegerbildung die Königin nicht zu Gesicht. Das verlangt zwar etwas Gespür für die Bienen, spart aber Unmengen an Zeit, die man sonst auf der Suche nach eventuellen Weiselzellen und später nach der Königin vergeudet. Und zumindest mir fällt es auch nach 10 Jahren immer noch schwer, die Königin überhaupt auf den Rähmchen zu finden. Denn in der Praxis heißt Königinsuchen: alle Waben einzeln herausnehmen und konzentriert von beiden Seiten absuchen. Und das im schlimmsten Fall mehrere Male, weil man die Königin bei der ersten Runde nicht entdecken konnte. Es gibt Imker, bei denen geht das Königinnensuchen ruckzuck, ich dagegen brauche immer ewig, sehr zum Unwillen der Bienen – gar nicht zu reden vom Erhalt der Stockwärme.

Im Unterschied dazu dauert die Warré-Ablegerbildung á la Mandy nur 5 Minuten und macht zudem auch noch Spaß. Und so gehen wir vor:

Sobald die Schwarmzeit beginnt (Imkerfreunde erzählen von ersten Weiselzellen) kontrollieren wir einmal alle 7 Tage das Volk, das geteilt werden soll, auf Schwarmzellen. Das Volk steht auf 4 Zargen. Kontrolliert werden nur die oberen beiden, denn dort befinden sich fast alle potentiellen Schwarmzellen und zwar immer an den unteren Wabenrändern. Zur Schwarmzellenkontrolle reicht es daher, die beiden Zargen kurz in Wabenausrichtung* anzukippen. (* Nie seitlich, damit die Waben nicht abbrechen!)

Die Bienen haben beim (Natur-)Bau im letzten Jahr an den unteren Wabenrändern bereits vorsorglich „Spielnäpfchen“ angelegt – kleine becherförmige, nach unten offene Zellen. Aus diesen werden sich in diesem Jahr die Schwarmzellen entwickeln. Sobald das Volk in Schwarmstimmung kommt, beginnen die Bienen, die Spielnäpfchen innen zu putzen und zu polieren. Man erkennt das sehr gut am stärkeren Glanz (siehe Foto). Später werden auch die Kanten des Spielnäpfchens abgerundet. Diese im Inneren polierten und am Rand abgerundeten Spielnäpfchen sind das beste Zeichen dafür, dass die künftige Königinnenzelle bald bestiftet wird. Bis zur eigentlichen Ablegerbildung müssen wir uns nun noch etwas gedulden.

Nach weiteren 7 Tagen kontrollieren wir erneut. Möglicherweise befindet sich jetzt ein Ei oder eine kleine, im Futtersaft schwimmende Made in einer oder mehreren der polierten Spielnäpfchen und die Zellen werden bereits von den Arbeiterinnen nach unten verlängert. Die Ablegerbildung selbst nehmen wir kurz vorm Verdeckeln der ersten Weiselzelle vor. Dazu hilft uns die Eselsbrücke „3-5-8 – Königin gemacht“, d. h. das Eistadium dauert 3 Tage, das Larvenstadium in der offenen Zelle 5 Tage und die Entwicklung zur fertigen Biene innerhalb der geschlossenen Zelle noch einmal 8 Tage. Die Verdeckelung geschieht also etwa am 8. Tag nach der Eiablage. Und das ist auch der Zeitpunkt, an dem im Normalfall der Schwarm abgehen würde, was wir aber durch die Ablegerbildung verhindern.

Schritt 2, die Ablegerbildung selbst, beschreibe ich dann in einem späteren Beitrag. Jetzt muss ich aber erst einmal zu meinen Bienen, Schwarmzellenkontrolle machen …

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