Warré-Ablegerbildung unter Ausnutzung des Schwarmtriebs – Teil 2: Teilung und Nachsorge

Eine Woche, nachdem wir die vorbereiteten Spielnäpfchen entdeckt haben, kontrollieren wir erneut die beiden obersten Zargen. Aus den Spielnäpfchen haben sich nun wahrscheinlich schon schöne Weiselzellen entwickelt, d. h. die Zellen wurden erdnussförmig nach unten ausgezogen und beinhalten schon ein Ei oder bereits eine in Futtersaft schwimmende Made. Anhand der Größe der Made können wir abschätzen, wie lange es noch bis zur Verdeckelung dauern wird. 1–2 Tage vor diesem Termin planen wir die eigentliche Teilung ein. Dabei gehen wir folgendermaßen vor:

Der zu teilende Bienenstock sitzt auf 4 Zargen: Zarge 1, ganz oben … Zarge 4, über dem Boden (beim ersten Mal am besten mit Kreide auf die Zargen schreiben). In den obersten beiden (Z1 und Z2) befinden sich Weiselzellen kurz vor dem Verdeckeln. Der Bienenstock wurde seit mindestens einer Stunde nicht geöffnet. Das ist wichtig, damit die Bienen schön ruhig und ahnungslos sind. Wir stellen einen neuen Boden, ein Kissen und ein Dach bereit, und bereiten einen leeren Stellplatz vor, mindestens einen halben Meter vom Ursprungsstandort entfernt. Dann befüllen wir den Smoker mit alten Eierkartons und bringen ihn schön stark zum Räuchern.

Nun nehmen wir das Dach des Bienenstockes ab und beginnen mit dem Teil, der mir an der ganzen Sache den meisten Spaß macht: Wir „machen den Bären“. Dazu reißen wir mit einem Ruck das Tuch von der obersten Zarge ab und öffnen die Fenster, damit plötzlich Licht in die Beute fällt, dazu räuchern und klopfen wir auf die obersten Wabengassen, pusten hinein und machen schauerliche Bärengeräusche. Der Sinn dahinter ist es, der Königin einen furchtbaren Schrecken einzujagen, um sie dazu zu bewegen, in die untersten beiden Zargen zu flüchten. Da die Königin viel scheuer und furchtsamer ist, als die Arbeiterinnen, funktioniert das sogar bei unseren heutigen, wabenfesten Bienen. Ein Teil der Bienen wird bei dem Tumult mit nach unten laufen, ein anderer Teil wird oben bleiben und sich mit Honig volltanken – um all das müssen wir uns nicht kümmern, denn uns geht es ausschließlich um die Königin und auf deren Fluchtreflexe kann man sich meist verlassen.

Nach etwa 3–5 Minuten Sylvesterkrawall nehmen wir die oberste Zarge (Z1) ab, stellen sie zur Seite und bearbeiten die zweite, nun oberste Zarge Nr. 2. Nach weiteren 3–5 Minuten können wir davon ausgehen, dass die Königin mit einem Teil des Volkes in die beiden unteren Zargen (Z3 und Z4) gelaufen ist. Nun nehmen wir Zarge Nr. 2 herunter und stellen sie auf den bereitgestellten Boden. Darauf stellen wir die ehemals oberste Zarge (Z1) und bedecken diese wieder mit Tuch und Kissen.

Die beiden unteren Zargen (Z3 und Z4) decken wir ebenso ab und stellen sie auf den neuen Standplatz. Hier befindet sich nun die alte Königin mit einem Teil des Volkes. Die neue Beute mit den obersten Zargen 1 und 2 (und den Weislzellen) stellen wir auf dem, nun leergewordenen, alten Standplatz auf.

Da die Sammlerinnen auf diesen Platz eingeflogen sind, werden in der nächsten Zeit alle Flugbienen zu diesem Volksteil zurückkehren, auch die, die mit der Königin umgezogen sind. Das ist gewollt, denn zum Einen werden die Weiselzellen nun optimal gepflegt, weil dieserVolksteil sehr viele Arbeiterinnen zur Verfügung hat. Zum anderen verliert der weggestellte Volksteil mit der Königin alle Flugbienen und gibt dadurch jede Schwarmstimmung auf und zerstört sämtliche, möglicherweise noch in den Zargen 3 und 4  befindliche Weiselzellen. So verhindern wir, dass aus diesem Teil doch noch der Vorschwarm abgeht.

Nun notieren wir für beide Völker unser Vorgehen mit Datum auf Stockkarten und legen diese jeweils ins Kissen. Dach drauf – fertig. Nun gehen wir erstmal etwas Kaltes trinken …

Nach einer halben Stunde kontrollieren wir noch einmal, ob unsere Aktion erfolgreich war, oder wir möglicherweise zu zaghaft waren. Ob sich die Königin im richtigen, weggestellten Volksteil  (Z3/4) befindet, erkennen wir am Verhalten der Bienen am Flugloch. Hier sollte es relativ ruhig zugehen, es laufen kaum Bienen herum und das Volk ist nicht auffällig laut. Der Weiselzellenableger auf dem alten Standplatz (Z1/2) dagegen, sollte sich auffallend unruhig gebärden. Es laufen viele Bienen wie suchend auf dem Flugbrett und um das Flugloch herum, gehen in die Beute, um gleich wieder herauszukommen und machen möglicherweise sogar leise heulende Geräusche. Wenn man durch das Fenster in die Zarge schaut, sieht man die Bienen aufgeregt herumlaufen. Dies alles ist ein Zeichen dafür, dass der Volksteil weisellos ist und unsere Teilung geklappt hat.

Falls dies nicht der Fall sein sollte, müssten wir die ganze Aktion noch einmal wiederholen. In 90 % der Fälle ist aber alles, wie es sein soll, so dass wir die Bienen jetzt für eine weitere Woche in Ruhe lassen können.

Damit kommen wir zum dritten, mindestens genauso wichtigen Teil der Warré-Ablegerbildung á la Mandy: Nach diesen weiteren 7 Tagen haben sich die Weiselzellen in der Beute Z3/4 soweit entwickelt, dass die jungen Königinnen kurz vor dem Schlupf stehen. Würden nun alle Königinnen schlüpfen, würden wir vermutlich einige „Nachschwärme“ verlieren. Um dies zu vermeiden, werden beide neuen Völker Z1/2 und Z3/4 noch einmal auf gegeneinander ausgetauscht. Der Teil Z3/4 mit der alten Königin kommt auf den alten Standplatz, der Teil Z1/2 mit den schlupfreifen Weiselzellen auf den neuen. Dieser Teil verliert nun wiederum der Großteil seiner Flugbienen an das alte Muttervolk und gibt nun ebenfalls jede möglicherweise noch vorhandene Schwarmstimmung auf. D. h. die erste schlüpfende Königin wird alle weiteren in ihren Zellen abstechen und das Regime übernehmen. Da das Volk allen Honig und den Großteil der auslaufenden Brut hat, wird es sich optimal entwickeln.

Das Volk mit der alten, legenden Königin, dass nun wieder auf dem alten Platz steht, hat durch den Zugewinn an Flugbienen ebenfalls beste Chancen, bis zum Herbst wieder zur alten Stärke zurückzufinden.

Dies war also die ausführliche Vorgehensweise unserer Ablegerbildung unter Ausnutzung der Schwarmstimmung. Das Ganze klingt zwar erst einmal etwas kompliziert, ist letztlich aber recht schnell gemacht. Die Ergebnisse sind nach unserer Erfahrung mehr als gut – beide Völker entwickeln sich optimal. Außerdem läßt sich die Methode auch einsetzen, um ein Schwärmen zu verhindern. Dazu nimmt man die Teilung, wie beschrieben vor und vereinigt beide Völker nach einem Monat wieder zurück, indem man sie einfach in der alten Reihenfolge übereinander stellt. Das Ganze hat sich bei uns sogar als platzsparender Zwischenbodenableger am selben Standplatz bewährt. Hierzu braucht man nur zusätzlich ein geschlossenes Brett, in das ein Flugloch eingefräst ist (Foto folgt).

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