In eigener Sache

Ich halte die Warré-Bienenhaltung nicht für das Nonplusultra der Imkerei. Letztendlich kann man Bienen in jeder Kiste halten, je nach Wünschen und Möglichkeiten, aber auch je nach Vorliebe und persönlichem Charakter. Der eine möchte am liebsten an jedem schönen Sonnentag an seinen Bienen arbeiten, der andere möchte, wie ich, lieber diese Zeit im Liegestuhl vorm Bienenstand verbringen und seinen Bienen beim Arbeiten zusehen. Für letztere schreibe ich diesen Blog. Jeder, der gern Einfluß nimmt, an vielen Rädchen dreht und Befriedigung aus der Arbeit am Volk zieht, sollte sich für eine moderne Rähmchenbeute entscheiden. Er wird für seinen Einsatz mit viel Honig belohnt werden – versprochen. Und keine Sorge, die Bienen werden es Euch verzeihen, die sind größtenteils imkerresistent.

In diesem Zusammenhang liegt mir ein Rat besonders am Herzen: Hütet Euch vor dem Versprechen einer wesensgemäßen Imkerei. Die gibt es nicht. Auch die Warré-Bienenhaltung ist nicht „wesensgemäß“. Naturnah? Vielleicht. Aber sicher nicht wesensgemäß. Das Wesen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) ist es, den langen Winter gemeinsam als Volk zu überdauern, und das nicht etwa in Kältestarre, wie die meisten anderen Insekten, sondern bei kuschligen 32° C in der Wintertraube. Zu diesem Zweck sammeln sie in den warmen Jahreszeiten jede Menge Nektar, den sie zu haltbarem Honig veredeln – als Heizmaterial für den Winter. Sie sammeln den Honig also keineswegs für uns, wie einige beliebte Kinderlieder suggerieren. Und sie geben ihn auch nicht freiwillig raus, nicht mal als Mietzahlung für die hölzernen Kästen, die wir ihnen als billigen Ersatz für ihre natürlichen Behausungen anbieten. Im Gegenteil, im Wesen der Biene liegt es, ihren mühsam gesammelten Honig unter Einsatz ihres Lebens gegen jeden Honigdieb zu verteidigen. Ein wesensgemäßes Dasein führen also nur Bienen, die hoch oben im lebendigen (!) hohlen Baum leben, dort ihr natürliches Wabenwerk bauen und Ihren Honig behalten können. Oder, um mit den Worten der Philosophin Hilal Sezgin zu sprechen „Artgerecht ist nur die Freiheit“. Jede Nutztierhaltung ist in gewissem Maße Ausbeutung und letztendlich kann es bei einer Imkerei im Sinne der Tierethik nur darum gehen, die Bienen so wenig wie möglich zu belasten. Das geht mehr oder weniger mit jeder Beute und jeder Betriebsweise. Zumal wir hier immer über Hobbyimkerei sprechen, die keinen wirtschaftlichen Zwängen unterworfen ist.

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