Mein Warré-Anfang

Plötzlich war er da, der Wunsch Bienen zu halten, ausgelöst durch die Lektüre des »Kleinen Hobbit« von J. R. R. Tolkien. Dessen Beschreibung des Bärenmenschen Beorn und seines Bienengartens brachte eine bis dahin stumme Saite in mir zum Schwingen. Vom Bienensterben war damals noch nicht viel zu hören, so dass ich mich im typisch zauberdurchdrungenen Anfang ganz meinen romantischen Vorstellungen hingeben konnte. Da die Rolle des Bärenmenschen aber nicht ganz meinen Selbstbild entsprach, malte ich mir mein künftiges Leben als Imker eher so aus, wie es dieses Gemälde eines Imkers von I. N. Kramskoj zeigt.

Was genau wollte ich? Bienen halten; ihnen im schönen Sonnenschein beim Fliegen und Bestäuben meiner Obstbäume zuschauen und ihnen hin und wieder ein Glas Honig stehlen, um mein Hobby vor meiner Familie zu legitimieren (ich selbst mag keinen Honig). Und nach nunmehr zehn Jahren Imkerpraxis kann ich sagen, dass ich dieses Ziel tatsächlich erreicht habe (bis auf den Bart, an dem arbeite ich noch). Bis dahin war es jedoch ein weiter und beschwerlicher Weg, denn die Imkerei hatte in den letzten hundert Jahren eine Entwicklung genommen, die kaum noch etwas mit einer naturnahen Bienenhaltung gemein hatte. Die gesamte Imkerpraxis schien einzig auf die Maximierung des Honigertrages ausgerichtet; Bücher, die ein „einfaches“ Imkern versprachen, verwirrten mich mit Anweisungen á la „BR 3 nach C7“ und in Imkerforen verbreitete man sich über all die kleinen Rädchen, an denen der erfolgreiche Bienenvater drehen kann (und sollte). Nun wollte ich aber kein Imkervater werden, sondern sozusagen eine Imkermutter, ihre Schützlinge behütend und sanft durchs Leben geleitend. Die herkömmliche Art, mit Bienen umzugehen, entsprach daher ganz und gar nicht meinen Vorstellungen. Hinzu kam, dass Imkerei vor allem eins zu bedeuten schien: Arbeit und Stress. Für mich (O-Ton: „Ein Imker geht mindestens einmal die Woche an seine Völker.“) – aber auch für die Bienen.

Fast hätte ich meinen Traum von Imkerei damals wieder aufgegeben, hätte es da nicht eine junge Bewegung gegeben, die sich einer bienen- und imkerfreundlicheren Bienenhaltung verschrieben hatte. Entstanden aus der Selbstversorgerbewegung, wo jedes Wirtschaften naturnah, nachhaltig und gleichzeitig effizient sein sollte, entwickelte, verwarf und verfeinerte man etliche Konzepte für einen freudlicheren Umgang von Mensch und Biene. Kernstück waren die sogenannten Oberträgerbeuten, die Top-Bar-Hive (TBH) und die Warrébeute. Der Grund, warum ich selbst mich letztlich für Warré entschieden habe, war ein rein ästhetischer – ich fand die Warrébeute einfach hübscher. Nichts desto trotz habe ich mir schon lang einmal vorgenommen, mir auch eine TBH an den Stand zu holen, da ich die Betriebsweise (in der Theorie) sehr überzeugend finde.

Über die Jahre habe ich viele verschiedene Beutensysteme ausprobiert, darunter Klotzbeuten und moderne Rähmchenmagazine. Meine Begeisterung für Warré ist jedoch ungebrochen, getreu Warrés Motto: „Keine Rähmchen, keine Mittelwände, wenig Arbeit“.

2 Gedanken zu „Mein Warré-Anfang“

  1. Hallo Mellina,
    Dein Beitrag hätte von mir sein können. Du sprichst mir aus dem Herzen: Bienen halten, möglichst natürlich. Das tue ich nun das 3. Jahr, also noch „Jungimker“, aber schon etwas in den Jahren. Als Landwirt und Lehrer habe ich schon viel erlebt und beurteile vieles aus meinen Naturerfahrungen heraus. Zur Zeit arbeite ich am Übergang zum „ungeteilten Brutraum“, also einer Zarge mit 400mm Höhe, die auch dem Überwintern dienen wird. Ihr Volumen ist 36.000cm³. Ich habe dazu auch 120mm Zargen als Honigraum. Mir ist nicht klar ob die große Zarge auch genug Honig für den Winter fassen kann. Zur Sicherheit will ich noch eine flache Zarge volltragen lassen. Da doe große Zarge recht unhandlich ist habe ich 250mm lange Halbrähmchen vorgesehen, um Notwendiges von oben machen zu können. Ich verwende auch keine Mittelwände und Rähmchen herkömmlicher Art.
    Hauptarbeit ist das Beobachten und dann und wann eine Kontrolle für das rechtzeitige Untersetzen von einer weiteren Zarge. Gut waren 5 Zargen bei einem Schwarm 2015! Drei sind normal.

  2. Liebe Mellina,
    ich bin von der Theorie der Warré-Betriebsweise sowie seinem Gründer echt fasziniert und lese gerade zum wiederholten Mal sein Buch. Das ist aber nur durch deine gute Übersetzung möglich. Dafür möchte ich mich hier einmal ganz herzlich bedanken. Wie schön, dass wir durch dich dieses wertvolle Wissen auch in Deutschland leichter nutzen können.
    Nun soll es im Frühjahr zum praktischen Anfang mit der Warré-Beute kommen. Ich finde diese Beutenform mit dem Satteldach auch sehr hübsch und ansprechend. Möge es den Bienen auch so gehen! Ich bin sehr gespannt wie der Anfang gelingt. Deine Motivation hierfür ist jedenfalls sehr gut – nochmals Dankeschön!
    Ein gutes Bienenjahr wünscht
    mit herzlichen Grüßen
    Joachim

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